Am Dienstag, dem 20. Oktober, wurde im Igersheimer Kulturkeller ein wichtiges Kapitel für die Region aufgeschlagen: Die Interessengemeinschaft Tauberbahn (IG Tauberbahn) erblickte das Licht der Welt. Eingeladen hatten Landrat Christoph Schauder aus dem Main-Tauber-Kreis und Bürgermeister Frank Menikheim von Igersheim. Der Anlass? Die immer wiederkehrenden Probleme mit Zugausfällen und Verspätungen auf der Strecke zwischen Crailsheim und Wertheim, die sich in den letzten Monaten zu einem echten Ärgernis ausgeweitet haben.

Besonders betroffen sind dabei nicht nur Pendler und Berufstätige, sondern auch Schülerinnen und Schüler. Diese müssen oft umständliche Alternativen in Kauf nehmen, während der regionale Tourismus ebenfalls leidet. Die unzureichende Infrastruktur der überwiegend eingleisigen Strecke tut ihr Übriges. Haltausfälle in Igersheim, Edelfingen und Königshofen sind keine Einzelfälle mehr. Das ist frustrierend – und das nicht nur für die Fahrgäste. Die Kreistage des Main-Tauber-Kreises und des Landkreises Schwäbisch Hall sowie einige Gemeinderäte hatten bereits im Sommer Resolutionen zur Tauberbahn verabschiedet, um den Druck auf die Verantwortlichen zu erhöhen.

Die Ziele der IG Tauberbahn

Die frisch gegründete IG Tauberbahn hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt. Sie möchte den pünktlichen und zuverlässigen Zugverkehr zwischen Crailsheim und Wertheim auf die Agenda setzen. Ein Halt an allen Bahnhöfen und Haltepunkten ist ebenso gefordert wie ein mindestens stündlicher Takt. Auch die Weiterentwicklung der gesamten Strecke sowie klimafreundliche und barrierefreie Mobilität stehen ganz oben auf der Liste. Ein entscheidender Punkt: die Verknüpfung von Zug, Bus, Fahrrad, Ruftaxi und Carsharing zu einem durchdachten Mobilitätskonzept. Das klingt doch nach einem Schritt in die richtige Richtung!

Die IG wird von verschiedenen Akteuren getragen: Landkreisen, Kommunen, regionalen Verbänden, Vereinen und Bürgerinitiativen. Auch Schulen und der Tourismus sind mit von der Partie. Es ist offensichtlich, dass hier viele Menschen an einem Strang ziehen, um gemeinsam etwas zu bewegen. Sprecher der IG sind die Bürgermeister Sebastian Mayer aus Niederstetten und Michael Dieterich aus Blaufelden. Die Geschäftsstelle wird bei der Verkehrsgesellschaft Main-Tauber mbH in Lauda-Königshofen eingerichtet, die als Tochtergesellschaft des Main-Tauber-Kreises agiert.

Die kritische Lage der Tauberbahn

Die Situation auf der Tauberbahn spitzt sich indes weiter zu. Laut aktuellen Berichten hat das Ausmaß der Zugausfälle einen neuen Höchststand erreicht. Besonders bitter ist, dass zwischen Lauda und Crailsheim nachmittags und abends keine Züge mehr fahren. Busse übernehmen zwar den Transport, aber die Fahrzeit verdoppelt sich, und die Mitnahme von Fahrrädern ist nicht möglich. Fahrgäste verpassen Anschlüsse, was zu erheblichen Fahrgastverlusten führt. Das Vertrauen in die Westfrankenbahn, die Zusagen für einen besseren Zugverkehr gemacht hat, wurde nicht in die Tat umgesetzt.

Die Initiative Pro Tauberbahn warnt eindringlich vor einer negativen Zukunft der Strecke, sollte sich nicht bald etwas ändern. Die Gründung der IG Tauberbahn ist ein Zeichen, dass die Region nicht tatenlos zusehen möchte. Sie strebt ein Zugangebot an, das den Vorgaben des Zielkonzepts 2025 für den Schienenpersonennahverkehr entspricht. Schließlich ist die Tauberbahn nicht nur eine Verkehrsader, sondern auch Teil der regionalen Identität.

Einblick in die Geschichte der Tauberbahn

Die Tauberbahn, auch bekannt als Taubertalbahn, erstreckt sich über 100,3 Kilometer von Crailsheim nach Wertheim. Ihre Geschichte reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück, als die Planungen 1864 ihren Anfang nahmen. Die Strecke führt durch malerische Landschaften, von den östlichen Teilen der Hohenloher und Haller Ebene bis hin zum Blaubachtal und entlang der Tauber. Mit der Inbetriebnahme der Strecke im Jahr 1869 wurde sie zur ersten durchgehenden Verbindung zwischen Crailsheim und Wertheim.

Seitdem hat die Strecke viele Veränderungen durchlebt, von der Modernisierung bis hin zu verschiedenen Betreiberwechseln. Für viele Radfahrer ist sie ein beliebtes Ziel, besonders entlang des Taubertalradwegs. Auch der jährlich stattfindende autofreie Sonntag im Taubertal zieht viele Besucher an. Diese Verbindung zur Natur und die Möglichkeit, per Zug die Region zu erkunden, sind von unschätzbarem Wert.

Die IG Tauberbahn hat nun die Chance, ein neues Kapitel in der Geschichte dieser wichtigen Verkehrsverbindung zu schreiben. Ob das gelingt, hängt von der Unterstützung der Region und dem Engagement aller Beteiligten ab. Der Zug ist abgefahren – jetzt gilt es, ihn auf die richtige Schiene zu bringen!