In Lichtenfels gibt es einen besonderen Anlass, der nicht nur die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer im Bereich Asyl und Integration anspricht, sondern auch interessierte Bürgerinnen und Bürger willkommen heißt. Die Integrationslotsin des Landkreises lädt zu einem Workshop ein, der sich mit einem äußerst wichtigen Thema beschäftigt: „Belastungen durch Verfolgung, Krieg & Flucht und deren Auswirkungen“. Dieser Workshop findet am Dienstag, dem 27. Oktober 2026, um 17:00 Uhr im großen Sitzungssaal des Landratsamtes, Kronacher Straße 30, 96215 Lichtenfels, statt. Die Teilnehmer können sich auf zwei Stunden wertvolle Informationen und Austausch freuen.

Referentin ist die Diplom-Trauma-Fachberaterin Anja Laatz, die im Rahmen des Projekts TAFF („Therapeutische Angebote für Flüchtlinge“) tätig ist. In einer lockeren Runde nach dem Workshop können die Teilnehmenden ihre Eindrücke austauschen – eine tolle Gelegenheit, um miteinander ins Gespräch zu kommen und vielleicht auch neue Perspektiven zu gewinnen. Bis zum 20. Oktober 2026 wird um Rückmeldung zur Teilnahme gebeten. Wer Fragen hat oder sich anmelden möchte, erreicht die Ansprechpartnerin unter der Telefonnummer 09571/18-4319 oder per E-Mail an karin.pfeiffer@landkreis-lichtenfels.de.

Die Auswirkungen von Traumata

Ein Thema, das in diesem Workshop behandelt wird, sind die tiefen psychischen Spuren, die Vertreibung, Verfolgung und Krieg hinterlassen können. Viele Geflüchtete, insbesondere aus Krisenregionen wie Syrien, dem Irak und Afghanistan, bringen schwerwiegende Traumata mit. Solche Erlebnisse können nicht nur die psychische Gesundheit beeinträchtigen, sondern auch die Integration in die neue Gesellschaft massiv erschweren. Die Herausforderungen sind vielfältig: Fragen zu Unterkunft, Arbeit, dem Schulbesuch der Kinder oder finanzieller Absicherung stellen zusätzliche Belastungen dar.

Traumata können sich auf das gesamte Leben auswirken. Wenn die Angst- und Stressspannung anhält, können posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) entstehen. Betroffene haben oft Schwierigkeiten, sich in einer neuen Kultur zurechtzufinden, was die Integration zusätzlich erschwert. Ohne Unterstützung können die Folgen der Traumata lange bestehen bleiben. Besonders Kinder und Jugendliche leiden häufig unter den Auswirkungen, da sich ihr Nerven- und Immunsystem noch entwickeln. Sie sind besonders gefährdet für Depressionen und PTBS – Schätzungen zufolge ist etwa ein Drittel der Flüchtlingskinder betroffen.

Der Weg zur Heilung

Um den Betroffenen zu helfen, gibt es in Deutschland Psychosoziale Zentren, die psychologische Unterstützung für Geflüchtete anbieten. Dort arbeiten speziell ausgebildete Psychologen, die in Einzel- und Gruppentherapien helfen, das Erlebte zu verarbeiten und mit den Folgen umzugehen. Doch der Zugang zu dieser Hilfe ist oft schwierig und mit langen Wartezeiten verbunden. Hinzu kommt, dass viele Geflüchtete anfangs wegen körperlicher Beschwerden medizinische Hilfe suchen, was zu Fehldiagnosen führen kann. Sprachliche Barrieren machen es nicht einfacher, und häufig fühlen sich die Menschen überfordert oder allein.

Umso wichtiger ist die Arbeit von lokalen Flüchtlingsinitiativen, die Netzwerke ehrenamtlicher Helfer aufbauen. Diese engagierten Menschen begleiten und beraten Geflüchtete im Alltag – von der Behördensprache bis hin zu kulturellen Normen. Die UNO-Flüchtlingshilfe unterstützt solche Initiativen und hat 2025 Gesundheitsprojekte mit 685.000 Euro gefördert, um psychologische Betreuung und Beratung von Flüchtlingen in Deutschland zu sichern.

Das bevorstehende Event in Lichtenfels bietet deshalb nicht nur wertvolles Wissen über die psychischen Belastungen von Geflüchteten, sondern auch die Möglichkeit, sich aktiv mit diesen Themen auseinanderzusetzen und ein Teil der Lösung zu werden. Vielleicht spürt man nach dem Workshop einen neuen Antrieb, um selbst aktiv zu werden oder einfach nur ein offenes Ohr für die Geschichten und Herausforderungen anderer zu haben.