In Greiz wird es bald richtig spannend! Am Donnerstag, den 5. November 2026, öffnet sich im Oberen Schloss ein ganz besonderer Raum für Kunst und Geschichte. Von 10:00 bis 16:00 Uhr sind alle Kunstinteressierten und Geschichtsfreunde eingeladen, die Ausstellung „Die Kunst des Widerstehens“ zu besuchen. Sie wird dem außergewöhnlichen Werk der Greizer Bildhauerin Elly-Viola Nahmmacher gewidmet, das den eindrucksvollen Titel „Feuerapokalypse“ trägt.

Der Anlass ist nicht alltäglich. Die Ausstellung würdigt das Andenken an den Pfarrer Oskar Brüsewitz, der am 18. August 1976 vor der Michaeliskirche in Zeitz für seinen Glauben und gegen die Unterdrückung durch das Regime protestierte, indem er sich selbst in Brand setzte. Ein verzweifelter Akt, der als „politische Aktion“ verstanden werden möchte. Brüsewitz war ein Mann des Glaubens, der in der DDR lebte und sich gegen die staatliche Willkür wandte. Er wollte nicht schweigen, als seine Gemeindemitglieder und die Kirche selbst unterdrückt wurden. Wolf Biermann beschrieb seine Tat einmal als „Republikflucht in den Tod“ – eine schockierende, aber bedeutende Geste, die in den kommenden Jahren für Aufsehen sorgen sollte.

Eine Rückkehr nach Greiz

Die „Feuerapokalypse“, die ursprünglich als Grabmal-Skulptur für Brüsewitz gedacht war, wurde von der Staatssicherheit konfisziert, bevor sie aufgestellt werden konnte. Über viele Umwege gelangte das Kunstwerk schließlich in die Partnerstadt Hofgeismar und wird nun nach Greiz zurückgebracht. Der Symposion zum Empfang der Skulptur findet bereits am Freitag, den 2. Oktober 2026, von 15 bis 20 Uhr in der Schlosskapelle des Oberen Schlosses statt. Die Veranstaltung ist ein weiterer Schritt, um die Bedeutung von Brüsewitz’ Akt des Widerstands zu feiern und zu verstehen.

Die Referenten des Symposions, darunter Sabine Stach, Karsten Krampitz und Stephan Bickhardt, werden die Vorgänge rund um Brüsewitz’ Selbstverbrennung beleuchten, die Entstehung der Skulptur erläutern und die bewegende Geschichte ihrer Rückkehr nach Greiz erzählen. Es wird eine Gelegenheit sein, die emotionale und kulturelle Resonanz dieses wichtigen Kapitels der DDR-Geschichte zu spüren und zu reflektieren, was es bedeutet, für seine Überzeugungen einzustehen.

Ein Mann, eine Tat

Oskar Brüsewitz wurde am 30. Mai 1929 in einer armen Handwerkerfamilie geboren und wuchs in einer Zeit voller Herausforderungen auf. Er schloss sich der Wehrmacht an, erlebte das Kriegsende in sowjetischer Gefangenschaft und fand schließlich seinen Weg zur Kirche. In seiner Rolle als Pfarrer in der DDR war er bekannt für seine unkonventionellen Ansätze in der Gemeindearbeit und seinen Widerstand gegen die staatliche Kontrolle. Seine Protestaktionen führten immer wieder zu Konflikten mit der Staatsmacht und machten ihn zu einem Symbol des künstlerischen Widerstands.

Sein verzweifelter Protest vor der Michaeliskirche, als er sich mit Benzin übergoss und sich in Brand setzte, wird als Wendepunkt in der DDR-Bürgerbewegung angesehen. Trotz der Versuche des Staates, das Geschehen zu vertuschen und zu verharmlosen, fand die Tat großen Anklang und führte zu einer Solidarisierung in der evangelischen Kirche und darüber hinaus. Brüsewitz’ Vermächtnis lebt weiter – sowohl in der Kunst als auch im kollektiven Gedächtnis der Menschen.

Die Ausstellung im Großen Fürstensaal des Oberen Schlosses in Greiz wird nicht nur Nahmmachers „Feuerapokalypse“ zeigen, sondern auch weitere Werke aus den Sammlungen der Greizer Museen, die das Thema des künstlerischen Widerstands gegen die politische Repression in der DDR aufgreifen. Ein Besuch wird nicht nur zur Auseinandersetzung mit der Kunst einladen, sondern auch zur Reflexion über unsere Geschichte und die Lehren, die wir daraus ziehen können.