Der Herbst hat Einzug gehalten in Siegen-Wittgenstein, und während die Blätter in bunten Farben erstrahlen, laden die Straßen von Eiserfeld dazu ein, auf den Spuren des berühmten Künstlerehepaars Hilla und Bernd Becher zu wandeln. Ein gemeinsamer Spaziergang durch diese charmante Ortschaft ist nicht nur eine Reise durch die Zeit, sondern auch eine Entdeckung der architektonischen Schätze, die hier in Form von Fachwerkhäusern zu finden sind. Diese Häuser sind nicht nur Zeugnisse der regionalen Baukunst, sondern auch Teil der fotografischen Erbes, das die Bechers hinterlassen haben.

Von 1959 bis 1978 dokumentierten Hilla und Bernd Becher mit ihren Schwarz-Weiß-Fotografien die Vielzahl an Fachwerkhäusern, die in Siegen und den umliegenden Gemeinden zu finden sind. Viele dieser Bauwerke haben im Laufe der Jahre Veränderungen durch Anbauten oder Verkleidungen erfahren, doch hinter den Fassaden bleibt oft die typische Siegerländer Fachwerkkonstruktion aus Holzbalken erhalten. Ein Spaziergang durch Eiserfeld ist daher nicht nur ein Genuss für die Augen, sondern auch eine spannende Erkundung der kulturellen Wurzeln dieser Region.

Die Pioniere der Fotografie

Bernd Becher, geboren am 20. August 1931 in Siegen, und seine Frau Hilla, die am 2. September 1934 in Potsdam das Licht der Welt erblickte, waren nicht nur Fotografen, sondern auch Visionäre. Ihre Leidenschaft für die Fotografie führte sie dazu, eine neue Ästhetik zu schaffen, die sich auf Industriearchitektur und traditionelle Bauwerke konzentrierte. Von Fördertürmen über Hochöfen bis hin zu Gasometern – die Bechers haben unzählige Motive festgehalten, die für ihre Zeit prägend waren. Besonders beeindruckend ist, dass sie nicht nur in Deutschland, sondern auch in Ländern wie den USA, Frankreich und Großbritannien tätig waren.

Die Düsseldorfer Kunstakademie, an der beide studierten, wurde zu einem wichtigen Ort für die Entwicklung der „Becher-Schule“. Hier lehrten sie nicht nur ihre eigene Fototechnik, sondern prägten eine ganze Generation von Fotografen. Zu ihren Schülern gehörten Namen wie Candida Höfer, Thomas Struth und Andreas Gursky, die alle ihren eigenen, unverwechselbaren Stil entwickelten und die Fotografiekunst auf neue Höhen hoben. Ihre Arbeiten sind geprägt von einer formalen Strenge und einem klaren Blick für das Wesentliche, ohne anekdotische Ablenkungen.

Ein Erbe für die Ewigkeit

Die Bechers haben nicht nur die Welt der Fotografie revolutioniert, sondern auch das Bewusstsein für die Bedeutung von Industriekultur geschärft. Ihr Einsatz gegen den Abriss der Zeche Zollern II in Dortmund ist nur ein Beispiel für ihr Engagement, das dazu beitrug, Industriebauten als schützenswerte Zeugen der Geschichte zu betrachten. Ihre Fotografien, oft in Serien angeordnet, zeigen die Ähnlichkeiten und Unterschiede der Objekte und laden den Betrachter ein, die Schönheit in der industriellen Architektur zu erkennen.

Heute, am 24. Oktober 2026, erinnert die Stadt Siegen-Wittgenstein an dieses Erbe. Die Becher-Schule ist nach wie vor ein Begriff, der in der Kunstszene für Respekt sorgt. Ihre Fotografien sind in bedeutenden Museen und Sammlungen weltweit vertreten, und die Stadt Düsseldorf vergibt alle zwei Jahre den Bernd-und-Hilla-Becher-Preis, um das Lebenswerk und die Förderung junger Talente zu würdigen. Die erste Preisträgerin, Carrie Mae Weems, und ihre Nachfolgerin Ursula Schulz-Dornburg stehen in einer langen Reihe von Künstlern, die von den Bechers inspiriert wurden.

Eiserfeld und die umliegenden Orte sind nicht nur Teil der regionalen Geschichte, sondern auch ein lebendiger Teil des Erbes der Bechers. Bei einem Spaziergang durch die Straßen kann man die Spuren ihrer Arbeit nachverfolgen und gleichzeitig die Schönheit der Siegerländer Fachwerkhäuser würdigen. Ein Erlebnis, das sowohl für Einheimische als auch für Besucher von großer Bedeutung ist.