Fachtag in Holzminden beleuchtet den Völkermord an Sinti und Roma und deren Rolle in der Erinnerungskultur
Am Samstag, dem 7. November 2026, ist Holzminden der Schauplatz eines bedeutenden Fachtags, der sich mit einem der dunkelsten Kapitel unserer Geschichte auseinandersetzt: dem nationalsozialistischen Völkermord an Sinti und Roma. Es wird ein Tag voller Reflexion, Diskussion und konkreter Handlungsmöglichkeiten für unsere Kommunen. Ab 12:30 Uhr wird die Veranstaltung im Sitzungssaal des Kreishauses, Bürgermeister-Schrader-Straße 24, 37603 Holzminden, eröffnet. Die Teilnahme ist kostenfrei, und eine Anmeldung ist per E-Mail an geschaeftsstelle@nir-nds.de erforderlich.
Im Mittelpunkt des Fachtags steht die Rolle von Sinti und Roma als aktive Mitgestalter von Erinnerungskultur und politischer Teilhabe. Dr. Markus End vom Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin wird historische sowie gegenwärtige Formen des Antiziganismus beleuchten. Dabei wird er erklären, wie rassistische Zuschreibungen – die sogenannten Z-Projektionen – die gesellschaftliche Wahrnehmung und das Handeln von Institutionen beeinflussen. Ein wichtiges Thema, das uns alle betrifft.
Workshop zu konkreten Maßnahmen
Ein interaktiver Workshop mit dem Titel „Teilhabe braucht Veränderung! – Ein kommunaler Aktionsplan für Sinti und Roma am Beispiel Holzminden“ wird von Ricardo Tietz, Historiker und Bildungsreferent beim Niedersächsischen Verband deutscher Sinti e. V., geleitet. Hier werden anonymisierte Fallbeispiele aus der Beratungspraxis aufgegriffen, um zu verdeutlichen, wie Teilhabe erschwert wird und welche Veränderungen notwendig sind. Die Ergebnisse des Workshops sollen nicht nur Holzminden, sondern auch anderen Kommunen als Anregung dienen.
Zum Abschluss des Fachtags führt Edmund Gerste, ein Nachfahre von NS-Opfern, die Teilnehmenden zur Gedenktafel am Steinhof. Sein Engagement ist ein eindrucksvolles Beispiel für die Mitgestaltung der kommunalen Erinnerungskultur durch Sinti. Ein gemeinsames Gedenken ist für 17:00 Uhr vorgesehen, was den Tag zu einem bewegenden Erlebnis machen wird.
Bildungsressourcen und historische Kontexte
Das Webportal www.sintiundroma.org des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma bietet wertvolle Informationen über die Geschichte der Sinti und Roma, vor und während des Nationalsozialismus sowie über den Völkermord an ihnen. Es ist eine goldene Gelegenheit, sich intensiver mit diesem Thema auseinanderzusetzen, sei es im schulischen oder außerschulischen Kontext. Die transportable Ausstellung „Rassendiagnose Zigeuner“ ist ein weiterer wichtiger Bestandteil, der auf die Herausforderungen aufmerksam macht, mit denen diese Gemeinschaft seit Jahrzehnten konfrontiert ist.
Die Publikationen zu Antiziganismus, wie die Handreichung „Institutioneller Antiziganismus auf kommunaler Ebene“, geben Multiplikator*innen aus Verwaltung, Sozialer Arbeit und Bildungsarbeit wertvolle Einblicke und praktische Ansätze zur Bekämpfung von Diskriminierung. Und das ist wichtig, denn der Antiziganismus hat seine Wurzeln tief in der Geschichte – von der Ausbürgerung der als „Zigeuner“ identifizierten Menschen ab 1934 bis hin zu den systematischen Deportationen und dem Völkermord in Auschwitz. Diese Themen sind nicht nur Vergangenheit; sie beeinflussen auch heute noch das Leben vieler Menschen.
Deshalb ist es umso wichtiger, einen Raum für Dialog zu schaffen, in dem wir voneinander lernen können. Der Fachtag in Holzminden ist genau so ein Raum. Es wird uns die Möglichkeit gegeben, mit Sinti und Roma ins Gespräch zu kommen, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam an einer gleichberechtigten Teilhabe zu arbeiten. Ein Schritt in die richtige Richtung, um aus der Geschichte zu lernen und eine Zukunft zu gestalten, die von Respekt und Anerkennung geprägt ist.
