Uwe Fietzek verabschiedet sich nach 39 Jahren aus der Kreisverwaltung der Grafschaft Bentheim
In der Grafschaft Bentheim ist das Ende einer Ära in Sicht. Uwe Fietzek, der seit mehr als 39 Jahren in der Kreisverwaltung tätig ist, räumt derzeit sein Büro im Kreishaus in Nordhorn. Am 31. Oktober endet seine Amtszeit als Landrat, und Platz für seine Nachfolgerin Silvia Pünt-Kohoff wird geschaffen. Fietzek, der im November 2019 den Landratsposten übernahm, blickt auf eine bewegte Zeit zurück. Seine siebenjährige Amtszeit wird von Krisen geprägt, die ihn als Krisenmanager im Kreishaus gefordert haben. Die Corona-Pandemie, der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und das Weihnachtshochwasser waren nur einige der Herausforderungen, die er meistern musste.
Er hat in diesen Jahren Entscheidungen getroffen, die oft weitreichende Folgen für die Bevölkerung hatten. Besonders die Schließungen von Schulen und Kindertagesstätten während der Pandemie sind ihm rückblickend nicht leicht gefallen. „Die Auswirkungen dieser Maßnahmen sind bis heute spürbar“, sagt Fietzek. Auch die Ausgangssperren zu Weihnachten, die Familienfeiern und Zusammenkünfte unmöglich machten, beschäftigen ihn noch immer. „In der Grafschaft haben solche Zusammenkünfte einfach eine große Bedeutung“, merkt er an. Trotz alledem zieht er eine positive Bilanz: „Der Landkreis ist gut durch die Krisen gekommen.“ Laut ihm hat die Kreisverwaltung über 190 Millionen Euro investiert, um die Infrastruktur zu modernisieren und energetische Sanierungen voranzutreiben. „Marode Schulen, Straßen oder Brücken gibt es bei uns nicht“, ist er stolz zu sagen.
Digitalisierung und grenzüberschreitende Zusammenarbeit
Ein großes Thema während Fietzeks Amtszeit war die Digitalisierung. Er richtete eine eigene Stabsstelle für Digitalisierung ein und setzte viele Maßnahmen um, die die Grafschaft Bentheim zu einem Vorreiter im kommunalen Bereich machen sollten. Auf die Frage, wie es um die digitale Entwicklung in der Grafschaft steht, sagt er: „Wir nehmen hier einen Spitzenplatz ein.“ Zahlreiche Verwaltungsdienstleistungen sind mittlerweile digital verfügbar, und der Breitbandausbau verläuft erfolgreich. „Aber bei den Mobilfunklücken haben wir nicht die Fortschritte erzielt, die wir uns gewünscht hätten“, gibt er zu. Hier scheiterten die Bemühungen an rechtlichen Vorgaben, was frustrierend sein kann.
Ein weiterer Fokus lag auf der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit mit den Niederlanden. Fietzek setzte sich für eine engere Kooperation ein, und die Niederlande-Agenda sowie ein „Letter of Intent“ mit der Provinz Overijssel sollen die Bereiche Sicherheit und Resilienz stärken. „In Zeiten nationalistischer Tendenzen ist es wichtiger denn je, über Grenzen hinweg zu arbeiten“, merkt er an. Es sind diese internationalen Beziehungen, die er als Chancen für die Grafschaft sieht.
Persönliche Rückblicke und Ausblick auf den Ruhestand
Nach so vielen Jahren im Dienst des Landkreises wird Fietzek im November 2026 in den Ruhestand gehen. „Ich werde vor allem die Gespräche und den Austausch mit meinen Kolleginnen und Kollegen vermissen“, gesteht er mit einem Hauch von Wehmut. Doch der eng getaktete Terminkalender und die damit verbundene Fremdbestimmung – das wird er nicht vermissen. Stattdessen plant er, mehr Zeit mit seiner Familie zu verbringen und sich um seine Eltern und Enkelkinder zu kümmern. Auch in seinem Heimatverein will er aktiv bleiben und im Vorstand der Emsländischen Landschaft mitarbeiten. „Ich werde die Entwicklung der Grafschaft weiterhin aufmerksam verfolgen, mich aber nicht aktiv in die Politik einmischen“, verspricht er.
Die Herausforderungen, die er während seiner Amtszeit meistern musste, werden den Landkreis auch in Zukunft beschäftigen. Der Rückbau der Eissporthalle, der trotz kontroverser Debatten beschlossen wurde, und die geplante Umgestaltung des Sitzungssaals – all diese Themen sind noch nicht abschließend geklärt. Aber Fietzek hat die Grafschaft auf einen guten Kurs gebracht. „Wir haben einen starken Mittelstand, eine niedrige Arbeitslosenquote und ein gutes Zusammenwirken von Wirtschaft und Handwerk“, blickt er optimistisch in die Zukunft. Und während er sein Büro räumt, wird einem klar: Ein Stück Grafschaft Bentheim wird mit ihm gehen.
