In der Grafschaft Bentheim ist das Wetter in diesem Jahr alles andere als normal. Extreme Niederschläge und Dürreperioden scheinen sich zu einer neuen Regelmäßigkeit zu entwickeln. Der diesjährige Sommer war besonders trocken und brachte außergewöhnliche Temperaturen mit sich. Die Wasserknappheit macht vielen zu schaffen und die Folgen des Klimawandels sind längst nicht mehr nur ein abstraktes Konzept – sie betreffen uns alle, Menschen, Natur und Tierwelt.

Doch nicht alles ist verloren! Das europäische Projekt SpongeWorks hat es sich zur Aufgabe gemacht, Lösungen für die Herausforderungen der Region zu entwickeln. Gemeinsam arbeiten niederländische und deutsche Partner in der Vechte-Region daran, den extremen Wetterbedingungen zu begegnen. Dabei steht die Verbesserung der biologischen Vielfalt ebenso im Fokus wie die Anpassung der Landschaft an die sich verändernden klimatischen Gegebenheiten.

Schwammmaßnahmen für eine resiliente Zukunft

Die sogenannten Schwammmaßnahmen haben das Ziel, die Wasserspeicherfähigkeit der Landschaft zu erhöhen. Das klingt vielleicht etwas trocken (Wortspiel beabsichtigt), aber es ist von entscheidender Bedeutung. In Trockenperioden sollen die Böden in der Lage sein, das Wasser länger zu speichern. Bei Starkregen wiederum sollen sie in der Lage sein, große Wassermengen aufzunehmen, um Überschwemmungen zu verhindern. Wissenschaftler untersuchen diese Maßnahmen, um ihre Wirksamkeit zu bewerten, und der Austausch von Wissen innerhalb der europäischen Zusammenarbeit ist ein weiterer Pluspunkt.

In der Vechte-Region sind bereits einige Maßnahmen geplant oder umgesetzt worden. Der Radweg Heemse in der Gemeinde Hardenberg ist ein Beispiel, bei dem Schwammmaßnahmen beim Bau berücksichtigt wurden. Die Auswirkungen werden in den kommenden Jahren wissenschaftlich untersucht. Auch der Wasserverband Vechtstromen prüft Schwammmaßnahmen entlang der Rheezerwaterleiding, während der Vechteverband neue Messstellen einrichtet, um den Grundwasserstand besser zu überwachen. In Laar wird der Vechte-Deich teilweise abgetragen und neu gestaltet, um das Rückhaltegebiet zu optimieren.

Ein europäisches Netzwerk für den Wissensaustausch

Das große Treffen der SpongeWorks-Generalversammlung fand vom 28. September bis 2. Oktober 2026 in unserer Region statt. Rund 100 Teilnehmende aus ganz Europa kamen zusammen, um Erfahrungen auszutauschen und den Fortschritt der laufenden Projekte zu diskutieren. Diese Generalversammlung ist nicht nur ein wichtiger Moment für den Austausch von Ideen, sondern auch für die Entwicklung langfristiger regionaler Schwammstrategien in verschiedenen europäischen Einzugsgebieten.

Das Projekt wird durch das EU-Forschungs- und Innovationsprogramm Horizon gefördert und hat eine Laufzeit vom 1. September 2024 bis 31. August 2028. Dabei werden nicht nur in der Vechte-Region, sondern auch in anderen Ländern wie Frankreich, Griechenland und Ungarn ähnliche Schwammstrategien entwickelt. Das zeigt, dass die Herausforderungen des Klimawandels ein gemeinsames Anliegen sind, das grenzüberschreitend angegangen wird.

Das Schwammstadt-Prinzip als Lösung

Ein Blick über die Grenzen hinaus zeigt, dass das Konzept der Schwammstadt in Deutschland immer mehr an Bedeutung gewinnt. Städte müssen sich gegen Klimarisiken wie Hitze, Starkregen und Trockenheit wappnen. Natürliche Systeme, wie Stadtbäume, spielen dabei eine essentielle Rolle. Sie sind nicht nur vom Klimawandel betroffen, sondern bieten auch Lösungen, indem sie Kohlenstoff binden und die Klimafolgen mindern.

Die Schwammstadt verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz und lässt sich wunderbar in die Maßnahmen der Vechte-Region integrieren. Sie soll überschüssiges Regenwasser aufnehmen und speichern, um es durch Verdunstung oder spätere Nutzung wieder abzugeben. Das bringt uns zurück zu einem natürlichen Wasserkreislauf. Ein Konzept, das in der Nationalen Wasserstrategie der Bundesregierung als vielversprechend hervorgehoben wird.

Immer mehr Kommunen in Deutschland setzen auf diese innovative Idee. Es ist bemerkenswert, wie sich das ursprünglich auf dezentrales Niederschlagsmanagement ausgerichtete Konzept in ein umfassendes Konzept für klimaresiliente Stadtentwicklung verwandelt hat. Das UBA untersucht die Schwammstadt als zentrales Thema für den Umbau von Städten und hat dafür bereits mehrere Forschungsprojekte ins Leben gerufen. Die Ziele sind klar: eine Verbesserung der Lebensqualität, eine Verringerung des städtischen Hitzeinseleffektes und ein gesünderes, nachhaltigeres Lebensumfeld für alle.

In der Grafschaft Bentheim stehen wir also vor einer spannenden Zeit. Mit innovativen Projekten und einem starken Netzwerk an Partnern können wir den Herausforderungen des Klimawandels begegnen. Es bleibt zu hoffen, dass die Schwammmaßnahmen und das Schwammstadt-Konzept nicht nur den Ort, sondern auch die Herzen der Menschen erreichen und wir alle gemeinsam an einem Strang ziehen können. Denn eines ist klar: Die Zeit zum Handeln ist jetzt!