Katastrophenschutzübung „Vechtekater“ in der Grafschaft Bentheim: Einsatzkräfte trainieren für den Ernstfall
Am vergangenen Samstag, dem 5. November 2026, fand in der Grafschaft Bentheim eine beeindruckende Katastrophenschutzübung unter dem Namen „Vechtekater“ statt. Organisiert vom Landkreis als Untere Katastrophenschutzbehörde, versammelten sich rund 1.000 Einsatzkräfte, um ihre Fähigkeiten im Ernstfall zu trainieren. Und keine Sorge – die Bevölkerung war zu keiner Zeit gefährdet!
Die Übung war alles andere als ein Spaziergang. An verschiedenen Einsatzorten – Bad Bentheim, Itterbeck und Nordhorn – wurden gleich drei Großschadenslagen simuliert. Von einem großflächigen Wald- und Vegetationsbrand, über eine Hochwasserlage in der Nordhorner Innenstadt, bis hin zu einem Gefahrgutunfall am Bahnhof in Bad Bentheim. Und was für eine Schau das war!
Ein Feuerwerk der Einsatzkräfte
Der Waldbrand in Itterbeck, der durch Pyrotechnik, Nebelmaschinen und brennende Strohhaufen simuliert wurde, stellte eine echte Herausforderung dar. Ein Heer von Bodeneinheiten und mehrere Löschhubschrauber waren im Einsatz, um die Flammen zu bekämpfen – und das mit einer beeindruckenden Koordination der Löschwasserabwürfe aus der Luft. Nebenbei musste auch noch ein Jugendzeltlager evakuiert werden. Da wurde so mancher Feuerwehrmann ins Schwitzen geraten!
In Nordhorn hieß es dann: Hochwasser marsch! Nach einer langen Dürrephase wurde ein Starkregenereignis simuliert, das die Einsatzkräfte ordentlich ins Schwitzen brachte. Sandsäcke wurden befüllt und per Boot über die Vechte transportiert – ganz schön anstrengend. Einige mutige Taucher waren ständig im Einsatz, um Personen aus einem in der Vechte versunkenen Auto zu retten. Und die Hochleistungspumpen am Ölmühlenwehr? Die waren die Stars dieser spektakulären Show.
Ein dramatisches Finale in Bad Bentheim
Der dritte Akt war der Gefahrgutunfall in Bad Bentheim, wo ein Personenzug mit einem Güterzug kollidierte. Das war kein Spaß – Fahrgäste mussten schnell evakuiert und medizinisch versorgt werden, teilweise sogar dekontaminiert. In ABC-Schutzanzügen, die wie aus einem Science-Fiction-Film schienen, arbeiteten die Einsatzkräfte Hand in Hand. Eine Dekontaminationsanlage wurde aufgebaut, und die Anspannung war förmlich greifbar.
Rund 100 Personen im Kreishaus übten zusätzlich die Koordination und Kommunikation, während das Bürgertelefon des Landkreises für echte Anfragen freigeschaltet war. So konnten die Bürgerinnen und Bürger sicher sein, dass alles in den besten Händen war. Apropos Hände: Die Verpflegung der Einsatzkräfte wurde von den Hilfsorganisationen übernommen, die mit Feld- und Einsatzküchen für das leibliche Wohl sorgten.
Die Herausforderungen der Kommunikation
Eine positive Bilanz zog der Landkreis zunächst, vor allem die gute Zusammenarbeit der Einsatzkräfte aus Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und den niederländischen Einsatzkräften. Doch es gab auch Licht und Schatten. Die Funkkommunikation – ein kritischer Bestandteil jeder Katastrophenbewältigung – zeigte Schwächen. Zeitweise brach das Funknetz zusammen, und die Verständigung über verschiedene Kanäle war nicht möglich. Das Ganze wurde zwar während der Übung behoben, aber der Landkreis sieht hier definitiv Verbesserungsbedarf.
Die Beobachtungen aus den Szenarien werden nun detailliert ausgewertet. Dabei wird unter anderem geprüft, wie die Abläufe vor Ort liefen und wo Optimierungsbedarf besteht. Denn in Krisensituationen kann eine reibungslose Kommunikation über Leben und Tod entscheiden. Die Erfahrungen der Übung sollen genutzt werden, um den Katastrophenschutz weiter zu stärken und sicherzustellen, dass alles für den Ernstfall gerüstet ist.
Der niedersächsische Landesbranddirektor Dieter Rohrberg war von der Umsetzung und der Bandbreite der Szenarien beeindruckt. Viele Schaulustige und Spotter beobachteten die Einsatzfahrzeuge – ein Bundeswehr-Hubschrauber des Typs NH90 wurde zum beliebten Fotomotiv. Am Ende der Übung dankte der Landkreis allen Beteiligten, besonders dem Vorbereitungsteam und den Leitern der Kreisfeuerwehrbereitschaft. Ein gemeinsames „Hut ab!“ für alle, die sich engagiert haben!
Wenn wir eines aus dieser Übung mitnehmen können, dann ist es die Erkenntnis, wie wichtig verlässliche Kommunikationsstrukturen sind. Wenn die regulären Systeme versagen, müssen Alternativen bereitstehen – seien es SIM-Karten für verschiedene Mobilfunknetze oder sogar Satellitenkommunikation. Der digitale Funk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS-Funk) ist zwar ein Schritt in die richtige Richtung, aber die Probleme bei der Verständigung zeigen, dass hier noch Nachholbedarf besteht. Die Herausforderungen bei der Kommunikation sind schließlich keine Kleinigkeit – und sie betreffen uns alle.
