Erfolgreiche Schutzmaßnahmen für das vom Aussterben bedrohte Braunkehlchen im Lahn-Dill-Kreis
Im malerischen Lahn-Dill-Kreis wird gerade etwas ganz Besonderes für die Natur getan. Hier, wo die Wiesen in sattem Grün erstrahlen, engagiert man sich aktiv für den Schutz des vom Aussterben bedrohten Braunkehlchens. Eine Art, die in den letzten 25 Jahren in Hessen mehr als die Hälfte ihrer Bestände verloren hat. Man könnte sagen, dass diese kleinen, geselligen Vögel in einer Zeit leben, in der ihr Lebensraum mehr und mehr bedroht wird. Aber die Menschen hier geben nicht auf! Sie packen an und schaffen Raum für das Braunkehlchen.
Ein paar Schritte südlich von Münchhausen haben die Verantwortlichen bereits Gehölze zurückgenommen und arbeiten nun auch im Raum Driedorf und Hohenahr. Die Idee dahinter? Verbuschte Bereiche sollen geöffnet und geeignete Brutplätze wiederhergestellt werden. Das Braunkehlchen liebt offenes, extensiv bewirtschaftetes Grünland, das ihm nicht nur Platz zum Nisten bietet, sondern auch die nötigen Sitzwarten und passenden Mahdtermine. Das ist kein leichtes Unterfangen, denn dichte Gehölze und Waldränder meidet die Art wie der Teufel das Weihwasser!
Ein umfassendes Schutzkonzept
Doch das ist erst der Anfang. Die Maßnahmen sind Teil eines umfassenden Schutzkonzepts, das sich aus gezielter Landschaftspflege, angepassten Mahdterminen, Altgrasstreifen und Sitzwarten für die Nahrungssuche zusammensetzt. Unterstützt werden diese Aktionen von der Abteilung für den ländlichen Raum der Landkreise Lahn-Dill und Gießen und finanziert durch Landesmittel zur Umsetzung europäischer Natura-2000-Schutzziele. Die Landschaftspflegevereinigung Lahn-Dill hat die Flächen im Rahmen ihres Braunkehlchenprojekts identifiziert. Ein wahrer Kraftakt!
Die Zusammenarbeit ist dabei das A und O. Behörden, ehrenamtliche Naturschützer, die Gemeinde Driedorf und die Landwirte vor Ort ziehen an einem Strang. Letztere haben ebenfalls einen wichtigen Beitrag geleistet, indem sie Mahdtermine verschoben und Nester ausgespart haben. Das Ergebnis? Der Lahn-Dill-Kreis zählt mittlerweile zu den bedeutendsten Verbreitungsgebieten des Braunkehlchens in Hessen, und der Bestand entwickelt sich positiv. Man könnte sagen, dass hier echte Naturfreunde am Werk sind!
Ein Blick in die Zukunft
Das Schutzprojekt der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON), welches im März 2016 ins Leben gerufen wurde, hat sich als sehr erfolgreich erwiesen. In den beiden Europäischen Vogelschutzgebieten (VSG) – den „Wiesentälern um Hohenahr“ und dem „Aartalsperre im Lahn-Dill-Bergland und Hohen Westerwald“ – wurden bereits zahlreiche Maßnahmen umgesetzt. Rund 18 Kilometer Altgrasstreifen sind gefördert worden, und mehr als 70 Hektar Spätmahdflächen wurden eingerichtet. Das ist ein echter Fortschritt, wenn man bedenkt, wie stark der Bestand zuvor zurückgegangen war.
Die Erfolge sind nicht zu übersehen. 2018 stabilisierte sich der Bestand wieder auf dem Niveau von 2016, und aktuell sind rund 150 Reviere im Lahn-Dill-Kreis dokumentiert. Die Zusammenarbeit mit den Landwirten hat sich als entscheidend erwiesen, um Brutverluste zu vermeiden und geeignete Lebensräume zu erhalten. Franziska Schmidt von der Landschaftspflegevereinigung Lahn-Dill ist ebenfalls vor Ort aktiv und sorgt dafür, dass die Ziele des Projekts weiterhin verfolgt werden: die Bestandsentwicklung zu untersuchen und die Verbreitung des Braunkehlchens aktuell im Blick zu behalten.
Es ist ermutigend zu sehen, wie sich die Dinge hier entwickeln. Die Maßnahmen sind ein Lichtblick für die Natur und zeigen, dass wir alle einen Teil zum Schutz unserer Umwelt beitragen können. Wer weiß, vielleicht können wir in Zukunft noch mehr Lebensräume für das Braunkehlchen schaffen und dafür sorgen, dass es hier bei uns noch lange Zeit zwitschert und singt!
