Am 5. November 2026 war der Tag, an dem die Nachricht wie ein Blitz aus heiterem Himmel kam: Staatsminister Hubert Aiwanger ist tot. Der Landrat Christian Nerb, ein guter Freund und politischer Weggefährte, äußerte sich tief betroffen. Er hatte die Nachricht am Vorabend erhalten und konnte es kaum fassen. „Es ist ein großer Verlust für uns alle“, sagte er. Aiwanger, der im Alter von 55 Jahren in einem Berliner Hotelzimmer aufgefunden wurde, hinterlässt eine Lücke, die schwer zu füllen sein wird.

Aiwanger, geboren im Januar 1971 in Ergoldsbach, hatte sich seit vielen Jahren in der bayerischen Politik einen Namen gemacht. Er war nicht nur der langjährige Vorsitzende der Freien Wähler, sondern auch Bayerns Wirtschaftsminister und Vize-Ministerpräsident. Seine Karriere begann 2006, als er zum Landesvorsitzenden gewählt wurde. Unter seiner Führung traten die Freien Wähler 2008 erstmals in den Bayerischen Landtag ein, und Aiwanger wurde Fraktionsvorsitzender. Man kann sagen, er war das Gesicht der Partei.

Ein Weggefährte und Freund

Die Verbindung zwischen Aiwanger und Nerb reicht bis ins Jahr 2010 zurück, als sie sich kennenlernten. Damals war Nerb Gemeinderat und Ortsvorsitzender der Freien Wähler. Nach Nerbs Wahl zum Bürgermeister von Saal 2014 intensivierte sich ihre Zusammenarbeit, und seit 2018, als Nerb den Kreisvorsitz übernahm, trafen sie sich regelmäßig. Nerb erinnerte sich an die gemeinsamen Erlebnisse, wie den Besuch von Aiwanger bei der Landratsstichwahl im März 2026 in Kelheim, wo sie gemeinsam den Wahlsieg feierten. „Solche Momente haben Aiwanger als Parteivorsitzendem große Freude bereitet“, sagte Nerb, während er seines Freundes gedachte.

In seiner Kondolenz sprach Nerb nicht nur über die politische Seite, sondern auch über die menschliche. Er drückte sein Beileid an Aiwangers Lebenspartnerin, Tanja Schweiger, sowie dessen Kindern und Eltern aus. „Ich wünsche den Angehörigen Kraft für die Zeit der Trauer“, fügte er hinzu. Der Verlust ist nicht nur ein politischer, sondern vor allem ein persönlicher.

Ein umstrittener Politiker

Aiwanger war bekannt für seinen direkten, manchmal derben Ton, der ihm sowohl Sympathien als auch Kritik einbrachte. Sein unkonventioneller Stil, oft in Bierzelten und bei Volksfesten präsent, machte ihn bundesweit bekannt. Er setzte sich leidenschaftlich für die Belange der Landbevölkerung ein und war ein Streiter für die Freien Wähler. Doch auch Schatten waren über seiner Karriere: Im Sommer 2023 kam es zu einer Kontroverse um ein antisemitisches Flugblatt aus seiner Schulzeit. Aiwanger bestritt, das Flugblatt verfasst zu haben, räumte jedoch ein, in seiner Jugend „Mist gemacht“ zu haben. Diese Affäre überschattete seine politische Laufbahn und führte zu hitzigen Debatten.

Die bayerische Landtagswahl im Oktober 2023 und die Kommunalwahlen im Frühjahr brachten den Freien Wählern unter Aiwangers Führung große Erfolge. Doch die politische Landschaft war unruhig, und die Vorwürfe aus der Vergangenheit waren nicht einfach zu ignorieren. Dennoch schafften sie es, bei der Landtagswahl 15,8 Prozent zu erreichen – ein Rekord für die Partei. Aiwanger hatte zwei Kinder und lebte mit Tanja Schweiger zusammen. Sein plötzlicher Tod stellt die Freien Wähler vor eine große Herausforderung – sie verlieren ihren prägendsten und streitbarsten Kopf.

Ein Abschied und ein Zitat

Mit Aiwangers Tod trauert nicht nur die politische Landschaft Bayerns, sondern auch die Menschen, die ihn kannten. Nerb schloss seine Kondolenz mit den Worten von Theodor Mundt: „Oft sind Erinnerungen ganz vortreffliche Balancierstäbe, mit welchen man sich über die schlimme Gegenwart hinwegsetzen kann.“ Aiwanger wird in den Herzen vieler einen Platz haben, und die Erinnerungen an die gemeinsamen Zeiten werden bleiben.