Hohenburg: Ein Rückzugsort für die vom Aussterben bedrohte Große Hufeisennase
Amberg-Sulzbach hat ein wahres Kleinod, das nicht nur die Herzen von Naturliebhabern höher schlagen lässt, sondern auch einen Blick in die faszinierende Welt der Großen Hufeisennasen ermöglicht. Diese seltenen Fledermäuse haben ihr Zuhause in einem denkmalgeschützten Gebäude-Ensemble in Hohenburg, das malerisch am Rand des Naturparks Hirschwald thront. Ein Ort, wo Geschichte, Natur und der wunderbare Reigen des Lebens aufeinandertreffen.
Die Großen Hufeisennasen sind nicht nur irgendeine Fledermausart – sie sind die letzten ihrer Art in Deutschland! 1992 wurden sie in einem alten Fachwerkstadel entdeckt, und seither hat sich eine beeindruckende Kolonie etabliert. Jährlich kommen die Weibchen hier zusammen, um ihre Jungen zur Welt zu bringen und großzuziehen. Man könnte sagen, Hohenburg ist das geheime Kinderzimmer dieser faszinierenden Tiere. Ein Ort, wo das Leben pulsiert und sich die Natur in aller Pracht zeigt.
Ein Denkmal der Erneuerung
Das lange leerstehende Gebäude war einst vom Einsturz bedroht, doch zwischen 2009 und 2011 erfuhr es eine aufwendige Sanierung, die maßgeblich durch das Konjunkturpaket II der Bundesregierung finanziert wurde. Rudi Leitl, ein wahrer Fledermausexperte, übernahm die Bauleitung. Heute ist er als Gebietsbetreuer und Life-Projektmanager für die Großen Hufeisennasen aktiv. Er sorgt nicht nur dafür, dass die Fledermäuse ein Zuhause haben, sondern auch, dass ihre Nahrungsgrundlage – die Insekten – gesichert ist.
Besonders spannend ist die Rolle des Roten Höhenviehs, einer Rinderrasse mit tiefen Wurzeln in der Region. Der Dung dieser Weidetiere ist ein wahrer Schlaraffenland für die Insekten, von denen sich die Großen Hufeisennasen ernähren. Deshalb grasen auch wieder mehr Rinder in der Umgebung, auch auf den Talwiesen der Lauterach. Ein echter Kreislauf, der nicht nur zur Erhaltung der Jura-Landschaft beiträgt, sondern auch zur Erzeugung von schmackhaftem Rindfleisch führt. Wer hätte gedacht, dass so viel Leben und Wirtschaftlichkeit in einem einzigen Ansatz stecken kann?
Ein Ort der Begegnung
Rudi Leitl ist nicht nur der „Fledermaus-Rudi“, sondern auch ein leidenschaftlicher Botschafter für die Schönheit der Natur. Bei regelmäßigen Führungen durch das Fledermaushaus vermittelt er seine Begeisterung für diese einzigartigen Tiere. Die Hohenburger identifizieren sich mittlerweile stark mit ihren geflügelten Nachbarn. Man hört sogar, dass die Kirwaburschen ihren Kirwabaum mit Fledermausmotiven geschmückt haben! Ein kleines, aber feines Zeichen dafür, wie sehr die Menschen hier mit ihrer Umwelt verbunden sind.
Die Lage Hohenburgs wird von Rudi als „tief in der Natur, aber auch ganz nah am Stadtleben“ beschrieben. Ein wahrer Genuss für alle, die Ausflüge in die Großstadt planen – und sich doch nach der Ruhe der Natur sehnen. Die Landschaft rund um den Jurasteig und den Wacholderwanderweg ist ein beliebtes Ziel für Spaziergänger und Naturliebhaber. Hier kann man die Seele baumeln lassen und sich an den kleinen Wundern der Natur erfreuen.
Schutz und Erhalt
Die Große Hufeisennase (Rhinolophus ferrumequinum) steht auf der Roten Liste Deutschlands in der Kategorie 1 – vom Aussterben bedroht. Dies ist ein eindringlicher Aufruf, sich für ihren Erhalt einzusetzen. Die einzige bekannte Wochenstube in Deutschland befindet sich hier, in der Oberpfalz. In den 1950er Jahren war der Bestand stark gefährdet, doch durch unermüdliche Anstrengungen gelingt es, diese faszinierenden Geschöpfe zu schützen und zu fördern. Mit ihrer charakteristischen, sattelförmigen Nasenaufsatz sind sie nicht nur schön anzusehen, sondern auch Meister im Ultraschallschwingen – eine Fähigkeit, die es ihnen ermöglicht, ihre Beute präzise zu orten.
Doch der Schutz dieser Art ist kein leichtes Unterfangen. Die Hauptursachen für den Bestandsrückgang sind vielfältig: Insektizide, Lebensraumverluste und Quartierverluste machen den Tieren das Leben schwer. Es ist ein ständiger Kampf um ihre Existenz, der uns alle betrifft. Umso wichtiger ist es, dass wir auf die kleinen Dinge achten – wie die Pflege von Weiden, die Erhaltung von Hecken und das Vermeiden von chemischen Mitteln, die ihre Nahrungsgrundlage gefährden.
In Hohenburg wird nicht nur der Lebensraum der Fledermäuse gesichert, sondern auch ein Zeichen für die Zukunft gesetzt. Menschen, die sich für die Natur begeistern und bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, sind hier am Werk. Ein Vorbild für andere Regionen, die ebenfalls ihre Schätze der Natur bewahren möchten. Und vielleicht, nur vielleicht, kann der eine oder andere von uns dabei helfen, diese wunderbaren Geschöpfe auch für zukünftige Generationen zu erhalten.
