Am 25. November wird es wieder Zeit, das Augenmerk auf ein Thema zu richten, das in der Gesellschaft oft im Schatten bleibt – Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Dieser internationale Tag ist mehr als nur ein Datum im Kalender; er ist ein Aufruf zur Aufmerksamkeit und zur Aktion. Im Landkreis Börde wird in diesem Jahr mit der Aktion „Ein Koffer voller Hoffnung“ ein eindrucksvolles Zeichen gesetzt. Die Arbeitsgruppe Gewaltprävention Börde hat diese Installation organisiert, die am Mittwoch, dem 25. November 2026, von 10 bis 12 Uhr vor dem Rathaus in Oebisfelde zu sehen sein wird.

Die Installation wird aus 37 Gepäckstücken bestehen – jedes einzelne steht symbolisch für eine Frau, die im Jahr 2025 im Frauenhaus Börde Schutz vor häuslicher Gewalt gefunden hat. Das Bild von 37 Koffern, die da stehen und Geschichten erzählen, ist einfach überwältigend. Es erinnert uns daran, wie wichtig Schutz und Unterstützung für diese Frauen sind, die oft in ausweglose Situationen geraten. Neben der Installation wird auch ein Informationsstand eingerichtet, der auf Gewaltprävention und bestehende Hilfsangebote aufmerksam macht. Vertreterinnen und Vertreter der Arbeitsgruppe, des Frauenhauses und des Weißen Rings stehen bereit, um Fragen zu beantworten und Gespräche zu führen. Es ist eine Gelegenheit, sich zu informieren und zu engagieren.

Statistik und Realität

Um das Ausmaß des Problems besser zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf die Frauenhaus-Statistik des Vereins FHK. Diese bundesweite jährliche Statistik erfasst Daten zur Frauenhausarbeit und stellt Informationen bereit, die für Praxis, Forschung und Politik von großer Bedeutung sind. Seit 1999 werden hier Zahlen gesammelt, die unter anderem die Anzahl und das Alter der Bewohnerinnen sowie ihrer Kinder dokumentieren. Auch die Herkunft, Staatsangehörigkeit, Ausbildung und Einkommen werden erfasst – all das sind Faktoren, die die Lebensrealität der betroffenen Frauen widerspiegeln. Und das ist wichtig, denn klar ist: Gewalt gegen Frauen ist in Deutschland weit verbreitet.

Die Dunkelziffer ist enorm, da viele Taten im Verborgenen bleiben. Statistiken erfassen meist nur die Fälle, die polizeilich registriert sind. Viele Frauen zeigen aus Scham oder Angst vor Konsequenzen keine Gewalt an. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Im Jahr 2023 gab es rund 256.000 Opfer häuslicher Gewalt, davon etwa 181.000 Frauen. Die häufigsten Delikte sind Körperverletzungen, gefolgt von Bedrohungen und Stalking. Dabei sind Frauen überwiegend betroffen – bei Sexualdelikten sogar nahezu ausschließlich. Die Lage ist also ernst, und es bedarf unserer Aufmerksamkeit.

Hilfe und Unterstützung

Wenn man bedenkt, dass in Deutschland 2023 insgesamt 378 Frauenhäuser existierten, wird deutlich, dass der Bedarf an Schutzplätzen weit höher ist, als das Angebot. Rund 30.200 Frauen und Kinder fanden dort Zuflucht, aber immer wieder werden Frauen abgewiesen, weil die Plätze nicht ausreichen. Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ ist seit 2013 unter der Nummer 116 016 erreichbar und hat im Jahr 2024 etwa 91.479 Kontaktaufnahmen verzeichnet. Diese Zahlen zeigen, dass es wichtig ist, nicht nur ein Bewusstsein für das Problem zu schaffen, sondern auch konkrete Hilfe anzubieten.

Der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen ist also nicht einfach ein weiterer Gedenktag. Es ist ein Aufruf, ein Zeichen der Solidarität und ein Schritt in Richtung Veränderung. In Oebisfelde wird am 25. November nicht nur eine Installation zu sehen sein, sondern auch ein Raum für Gespräche, Reflexion und Information. Wer Fragen hat, kann sich an die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Börde wenden unter: gleichstellung(at)landkreis-boerde.de. Es ist eine Gelegenheit, die Augen zu öffnen und aktiv zu werden – für die Frauen, die Hilfe brauchen, und für eine Gesellschaft, die sich gegen Gewalt stark macht.