Gedenken an die Novemberpogrome: Erinnerungen an Nathan Rothenberg und die Zerstörung jüdischen Lebens in Höxter
Der 9. November steht in Deutschland nicht nur für eine einfache Zahl im Kalender, sondern für eine schmerzliche Erinnerung an die Reichspogromnacht von 1938, die viele tief betroffen macht. An diesem Tag wurden die Straßen von Hass und Gewalt durchzogen, als die Nationalsozialisten zur Zerstörung von Synagogen und jüdischen Geschäften aufriefen. Einstmals blühende Orte der Kultur und des Lebens wurden zu Trümmerfeldern. Im ganzen Deutschen Reich, auch hier im Kreis Höxter, kam es zu Übergriffen auf die jüdische Bevölkerung, die zu dieser Zeit bereits unter einem enormen Druck lebte.
Die Ausschreitungen, die als „Kristallnacht“ in die Geschichte eingehen, sind heute als Ausdruck des staatlichen Antisemitismus bekannt. Die Zerstörungen waren nicht nur physisch, sondern auch emotional verheerend. So wurde beispielsweise das Textilgeschäft des Kaufmanns Nathan Rothenberg in Brakel Ziel von Gewaltakten. Seine Fensterscheiben zerbarsten, und die Fassade wurde mit Ölfarbe beschmiert. Rothenberg musste sein Geschäft schließen und wurde 1942 deportiert – ein Schicksal, das viele Juden in dieser Zeit erlitten. Der Bericht, der 1958 von seinem Sohn Werner im Rahmen eines Entschädigungsantrags erstellt wurde, führt die Zerstörungen detailliert auf und gibt einen Einblick in die unfassbare Grausamkeit jener Nacht.
Die Auslöser der Pogrome
Ein bedauerlicher Vorfall in Paris diente als Katalysator für die Gewalt: Der 17-jährige Herschel Grynszpan, ein polnischer Jude, schoss auf den deutschen Legationssekretär Ernst vom Rath. Sein Attentat wurde von den Nationalsozialisten propagandistisch genutzt, um die Ausschreitungen zu rechtfertigen. Die Welle der Gewalt, die daraufhin folgte, führte zur Zerstörung von über 1.400 Synagogen und zahllosen Geschäften im ganzen Land. In Brakel wurde die Synagoge in der Ostheimer Straße verwüstet, blieb jedoch aufgrund der engen Bebauung vor dem Feuer verschont, während andere Einrichtungen lichterloh brannten.
Die Verhaftungen von Juden begannen in den frühen Morgenstunden des 10. November, und rund 30.000 Männer wurden in „Schutzhaft“ genommen. Diese „Aktionsjuden“ wurden oft misshandelt und in Konzentrationslager deportiert. Die gezielte Zerstörung jüdischen Eigentums hatte nicht nur eine psychologische Dimension, sondern auch eine wirtschaftliche: Die Arisierung jüdischer Geschäfte und der gezielte Ausschluss aus dem Wirtschaftsleben wurden rasch vorangetrieben.
Das Erbe der Pogromnacht
Die Novemberpogrome verstärkten den bereits bestehenden Antisemitismus im Deutschen Reich und sollten die systematische Verdrängung der jüdischen Bevölkerung vorantreiben. Die Horrorfakten dieser Nacht zeigen, dass die Verfolgung der Juden eine traurige Konstante in der Geschichte des Nationalsozialismus war. In der Folge wurden Juden nicht nur aus dem öffentlichen Leben ausgeschlossen, sondern auch ihrer Rechte beraubt – bis hin zur Zwangsarbeit in der Rüstungsindustrie. Die Pogrome waren also nicht nur ein einmaliger Akt der Gewalt, sondern der Beginn einer systematischen Ausgrenzung und schließlich Vernichtung.
In Höxter, wie an vielen anderen Orten, wird heute am 9. November der Opfer gedacht. Lokale Gedenkveranstaltungen versuchen, die Geschichten derjenigen lebendig zu halten, die unter dem Nationalsozialismus litten. Es ist von zentraler Bedeutung, sich an diese Kapitel der Geschichte zu erinnern, um sicherzustellen, dass sich solch unvorstellbares Unrecht nicht wiederholt. Die Namen und Schicksale der Opfer – wie Nathan Rothenberg – dürfen nicht in Vergessenheit geraten. Sie sind Teil unserer gemeinsamen Geschichte.
