Vogelgrippegefahr beim herbstlichen Vogelzug in Lüchow-Dannenberg
Jedes Jahr, wenn die ersten kühlen Winde durch Lüchow-Dannenberg wehen, zieht es zehntausende Vögel in unsere Region. Im Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue überwintern beeindruckende 3.200 Schwäne, über 30.000 Tundrasaatgänse, 50.000 Blässgänse sowie 8.000 Graugänse. Eine wahre Pracht, wenn man sich die gefiederten Gäste mal genauer anschaut! Doch während wir uns an diesem Naturschauspiel erfreuen, gibt es auch eine Schattenseite, die uns alle betrifft: die Vogelgrippe, auch als aviäre Influenza bekannt.
Mit dem herbstlichen Vogelzug steigt das Risiko, dass die Vogelgrippe in Haus- und Nutztierbestände eingeschleppt wird. Das Veterinäramt hat daher die gewerblichen Geflügelbetriebe sowie private Klein- und Hobbyhaltungen zur konsequenten Einhaltung von Biosicherheitsmaßnahmen aufgerufen. Die aviäre Influenza ist eine hochansteckende Viruserkrankung, die hauptsächlich wildlebende Wasservögel und Hausgeflügel betrifft. Fünf grundlegende Biosicherheitsregeln sollten dabei unbedingt beachtet werden:
Biosicherheit für alle
- Zugang beschränken: Stallungen und Gehege dürfen nur von befugten Personen betreten werden. Hierzu gehört auch der Wechsel in betriebseigene Schutzkleidung.
- Hygiene und Desinfektion: Regelmäßiges Reinigen und Desinfizieren von Schuhen, Geräten, Transportkisten und Fahrzeugen ist ein absolutes Muss.
- Kontakt zu Wildvögeln verhindern: Futter, Einstreu und Tränken müssen vor Wildvögeln geschützt werden. Ein cleverer Trick ist die Nutzung von Futter- und Tränkestellen, die für Wildvögel unzugänglich sind.
- Tierarten trennen: Verschiedene Geflügelarten, insbesondere Hühner und Wassergeflügel wie Enten oder Gänse, sollten räumlich getrennt gehalten werden.
- Tiere aufmerksam beobachten: Die Bestände sollten täglich kontrolliert werden. Krankheitsanzeichen oder erhöhte Verluste sind sofort tierärztlich abzuklären.
Die Europäische Kommission und die EFSA haben die Kampagne #NoBirdFlu ins Leben gerufen, um praktische Materialien bereitzustellen. Diese reichen von Infografiken und Schritt-für-Schritt-Anleitungen für kleine Bestände bis hin zu Stallpostern und Social-Media-Inhalten. Wer sich für die Materialien interessiert, kann sie online unter diesem Link abrufen.
Das Virus im Blick
Die Vogelgrippe selbst wird in hochpathogene und niedrigpathogene Viren unterteilt. Hochpathogene Viren (HPAI) können bei Hühnern schwere Erkrankungen hervorrufen und sogar zum Tod führen. Niedrigpathogene Viren (NPAI) hingegen verlaufen oft ohne oder mit milden Symptomen. Doch Vorsicht: NPAI-Viren können mutieren und sich in hochpathogene Stämme verwandeln. Daher ist es entscheidend, Ausbrüche schnell zu bekämpfen.
Die Seuchensaison 2021-2022 war die größte HPAI-Epidemie in der EU, gemessen an der Zahl der Ausbrüche und der geografischen Ausbreitung. Selbst in der aktuellen Saison, besonders mit dem Herbstvogelzug, bleibt das Virus ein Thema. Im Berichtszeitraum von November 2025 bis Februar 2026 wurden in Europa über 2.500 Nachweise von HPAI in 32 Ländern gemeldet, wobei mehr als 90 % der Fälle durch Wildvögel verursacht wurden. In Lüchow-Dannenberg ist es wichtig, tote oder sichtbar erkrankte Wasser-, Greif- oder Rabenvögel nicht zu berühren oder zu bewegen. Stattdessen sollten solche Funde umgehend dem zuständigen Veterinäramt gemeldet werden, damit eine fachgerechte Beprobung und Beseitigung erfolgen kann.
Die Gefahr der Übertragung auf den Menschen bleibt gering, bisher gab es keine dokumentierten Mensch-zu-Mensch-Übertragungen. Doch der Kontakt mit infizierten Tieren oder kontaminierten Umgebungen birgt Risiken. Daher sollten insbesondere Personen mit beruflichem Kontakt zur Tierhaltung, wie Landwirte oder Tierärzte, besonders vorsichtig sein.
Die aktuelle Situation erfordert von uns allen Achtsamkeit und Verantwortung. Jeder kann einen Beitrag leisten, um die Ausbreitung der Vogelgrippe zu verhindern und gleichzeitig die Schönheit der Natur in Lüchow-Dannenberg zu genießen. Ob beim Spaziergang durch die Elbtalaue oder bei der Beobachtung der Vögel – bleiben wir wachsam und schützen wir unsere gefiederten Freunde!
