Hausärztemangel in Niedersachsen: Chancen durch qualifiziertes Fachpersonal in der Gesundheitsversorgung
Heute ist der 25.10.2026, und in Leer dreht sich alles um die Gesundheit. Der Hausarzt, unser erster Ansprechpartner bei Gesundheitsfragen, ist wie ein Lotse im oft unübersichtlichen Gesundheitssystem. Er nimmt sich Zeit, untersucht und behandelt unsere Beschwerden gründlich. Sollte es nötig sein, überweist er uns an einen Facharzt oder sogar direkt in eine Klinik, um sicherzustellen, dass wir die bestmögliche Versorgung erhalten.
Im Landkreis Leer gibt es rund 100 niedergelassene Fachärzte, von Kardiologen über Orthopäden bis hin zu Chirurgen. Diese Spezialisten übernehmen die Versorgung bei komplexen medizinischen Problemen und organbezogenen Beschwerden. Wenn man mal einen Facharzt braucht, hat man hier definitiv eine Auswahl!
Das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) in Leer
Eine interessante Ergänzung zur ärztlichen Versorgung bietet das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) im Klinikum Leer. Dort wird eine ambulante Behandlung ähnlich einer großen Praxis mit mehreren Fachärzten angeboten. Das MVZ fokussiert sich auf medizinische Schwerpunktbehandlungen und ergänzt somit das Angebot der niedergelassenen Fachärzte. Die Behandlung im MVZ erfolgt nach Terminvergabe – und in der Regel kommt man nur mit einer Überweisung hinein. So kann man sicher sein, dass auch hier die richtigen Fachleute zur Stelle sind.
Doch trotz dieser soliden Versorgungsstruktur ist ein Problem am Horizont sichtbar: Der Hausärztemangel in Niedersachsen. Rund 5.200 Hausärztinnen und Hausärzte sind zurzeit im Land aktiv, aber 447 Hausarztsitze sind unbesetzt! Ein besorgniserregender Zustand, denn das Durchschnittsalter dieser Ärzte liegt bereits bei 55 Jahren. Es wird geschätzt, dass bis 2035 etwa 1.300 Ärzte in den Ruhestand gehen werden – und das wird uns alle betreffen.
Fachkräfte am Puls der Zeit
Eine spannende Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt, dass geschultes Fachpersonal viele Aufgaben übernehmen könnte, die traditionell den Hausärzten vorbehalten sind. Dazu zählen Routinetätigkeiten, Diagnosen, Hausbesuche und sogar die Wundnachsorge bei chronischen Erkrankungen. Das Überraschende? Für viele Patienten scheint es keinen großen Unterschied zu machen, ob sie von einem Arzt oder einer qualifizierten medizinischen Fachkraft versorgt werden. Das könnte ein Lichtblick im angespannten System sein!
Im vergangenen Jahr haben medizinische Fachangestellte mit Zusatzausbildung in Niedersachsen über 500.000 Haus- und Pflegeheimbesuche durchgeführt. Jetzt gibt es etwa 1.500 solcher Fachkräfte im Land. Ihre Rolle könnte entscheidend sein, um den Versorgungsengpass zu mildern. Dennoch bleibt zu klären, wie diese Fachkräfte einheitlich ausgebildet und angemessen bezahlt werden können. Ein echtes Dilemma!
Globaler Blick auf die Gesundheitsversorgung
Im internationalen Vergleich sieht die Sache etwas anders aus. In vielen Ländern arbeiten spezialisierte Gesundheitsfachkräfte wie „Nurse Practitioners“ eigenverantwortlich in der Primärversorgung. Sie betreuen Patientinnen und Patienten, stellen Diagnosen und verordnen Medikamente – ganz ohne direkten Arztkontakt. Das könnte auch für Deutschland eine zukunftsträchtige Lösung sein! In Kanada und Finnland sieht man bereits, wie gut das funktionieren kann. Warum sollten wir uns nicht ebenfalls auf diese innovativen Ansätze einlassen?
Jan Böcken, Gesundheitsexperte der Bertelsmann Stiftung, glaubt fest an das Potenzial, das in der Übernahme von Aufgaben durch hochqualifizierte Assistenzkräfte steckt. Eine frühzeitige und systematische Umsetzung dieser Ideen könnte uns helfen, die Herausforderungen im Gesundheitswesen besser zu meistern. Es ist an der Zeit, die Rollen und Zuständigkeiten in der ambulanten Versorgung neu zu denken. Lassen wir uns überraschen, wie sich die Dinge entwickeln werden!
