Haushaltsdefizit von 27 Millionen Euro im Landkreis Gießen für 2027 erwartet
Die Finanzlage im Landkreis Gießen bleibt angespannt – das ist eine Botschaft, die Kämmerer Christopher Lipp am 2. November 2026 dem Kreistag überbrachte. Für das Jahr 2027 wird ein Haushaltsdefizit von rund 27 Millionen Euro erwartet. Die geplanten Aufwendungen belaufen sich auf etwa 580 Millionen Euro, während die Erträge nur bei etwa 553 Millionen Euro liegen. Ja, das ist ein echtes Loch, und die Rücklagen? Die sind fast aufgebraucht und betragen nur noch etwas mehr als 3 Millionen Euro. Das sorgt für reichlich Gesprächsstoff unter den Bürgermeistern und Kreistagsabgeordneten.
Der Landkreis steht vor der Herausforderung, gesetzliche Pflichtaufgaben zu erfüllen, ohne dass die dazugehörige Finanzierung gesichert ist. Besonders in der Sozial- und Jugendhilfe steigen die Kosten und Fallzahlen enorm – ein Anstieg um mehr als 15 Millionen Euro allein für 2027. Und das, wo von jedem Euro des Kreishaushalts bereits 86 Cent für soziale Pflichtleistungen und die Umlage an den Landeswohlfahrtsverband draufgehen. Es ist also klar, dass die kommunalen Finanzen unter Druck stehen und die Kreistagsabgeordneten sind gefordert, Lösungen zu finden.
Einsparungen und Investitionen im Fokus
Die Kreisverwaltung hat bereits Maßnahmen ergriffen, um die finanzielle Situation zu verbessern – Einsparungen sind das Stichwort. Ein Personalsteuerungs- und Anpassungskonzept soll den Personaleinsatz effizienter gestalten, während gleichzeitig eine sechsmonatige Stellenbesetzungssperre für vakante Stellen verhängt wurde. Neue Stellen? Fehlanzeige! Ein großer Teil der Diskussion wird sich um die geplanten Umlageerhöhungen drehen: Die Kreisumlage soll um 1,8 Prozentpunkte steigen, während die Schulumlage um 1,9 Prozentpunkte angehoben wird. Diese Erhöhungen sind zwar als zurückhaltend bezeichnet worden, aber die Gemeinden im Landkreis sind ebenfalls finanziell stark belastet.
Trotz der angespannten Lage gibt es auch Lichtblicke. Investitionen von insgesamt rund 38,5 Millionen Euro sind für 2027 vorgesehen. Davon fließen 28,9 Millionen Euro in die Sanierung und Ausstattung von mehr als 50 Schulen. Projekte wie der Neubau der Gallusschule in Grünberg und Erweiterungen an Grundschulen in Holzheim und Steinbach stehen auf der Agenda. Auch die Digitalisierung, IT-Ausstattung und die Förderung von MINT-Fächern sollen vorangetrieben werden. Und nicht zu vergessen: 5,7 Millionen Euro sind für die Sanierung von Kreisstraßen eingeplant.
Ein Ausblick auf die Zukunft
Die Aussicht auf einen ausgeglichenen Haushalt ist vorerst trübe. Erst ab 2030 könnte sich die Lage verbessern, wenn die Konsolidierung weiter fortgesetzt wird und Bund sowie Land ihren Finanzierungsanteil erhöhen. Der Kreistag wird in den kommenden Wochen über den Haushaltsentwurf beraten, bevor die Entscheidung voraussichtlich am 14. Dezember in einer öffentlichen Sitzung fällt. Die Haushaltsdaten sind übrigens online unter lkgi.haushaltsdaten.de einzusehen.
Diese Situation ist nicht allein ein Gießener Problem. Auch andere hessische Landkreise kämpfen mit Defiziten. 2026 summieren sich die Defizite der 21 Landkreise auf 373 Millionen Euro, und für 2027 werden insgesamt mehr als 600 Millionen Euro Defizit erwartet. Der kommunale Finanzausgleich, der Milliardenbeträge an Städte und Gemeinden verteilt, steht ebenfalls auf dem Prüfstand. Es wird diskutiert, ob er die tatsächlichen Bedürfnisse der Kommunen richtig erfasst. Die Herausforderungen sind groß, und die Diskussion über die Finanzierung kommunaler Aufgaben wird weitergehen.
