In den Bad-Staffelsteiner Ortsteilen Horsdorf und Stublang wird bald ein spannendes Projekt gestartet, das die Herzen von Obstliebhabern höher schlagen lässt! Am Ende dieses Monats, genauer gesagt Ende September, wird ein Pomologe durch die Lande ziehen, um alte Apfel- und Birnensorten zu kartieren, die nicht mehr in Baumschulen erhältlich sind. Wenn das kein Grund zur Freude ist! Die Suche gilt besonders Bäumen, die älter als 100 Jahre sind, sowie solchen mit einer besonderen Vorgeschichte oder außergewöhnlichen Früchten.

Die Initiative kommt von der Regierung von Oberfranken und der Streuobstberatung – ein tolles Team, das sich der Erhaltung unserer vielfältigen Obstsorten verschrieben hat. Schließlich sind alte Obstbäume nicht nur schmackhaft, sondern auch Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen, wie den Gartenrotschwanz oder diverse Fledermausarten. Diese Bäume sind wahre Schätze der Biodiversität, die unser Ökosystem bereichern. Aber Achtung – viele dieser Bestände sind stark gefährdet! Fehlende Pflege und Nachpflanzungen setzen den alten Riesen zu. Daher ist es umso wichtiger, dass wir uns für ihre Erhaltung einsetzen.

Streuobstwiesen im Fokus

Streuobstwiesen sind nicht nur ein wichtiger Bestandteil der Oberfränkischen Kulturlandschaft, sondern sie bieten auch Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. In Bayern gibt es schätzungsweise noch rund 2.000 verschiedene Apfel-, Birnen-, Kirsch- und Pflaumensorten. Viele davon robust und regional angepasst. Aber seit den 1960er Jahren sind über 70 Prozent der bayerischen Streuobstbestände verschwunden! Schockierend, oder? Flächen wurden für Baugebiete gerodet, und viele Bestände verbuschen, weil sie nicht mehr gepflegt werden.

Laut einem Biodiversitätsprogramm, das von 2013 bis 2018 durchgeführt wurde, wurden in Oberfranken in rund 30 Streuobstbeständen seltene und regional begrenzte Apfel- und Birnensorten erfasst. Hierbei wurden etwa 6.000 Obstbäume kartiert – darunter 184 Apfelsorten und 72 Birnensorten. Ein beachtliches Ergebnis! Aber es gibt noch viel zu tun, denn viele Sorten sind noch nicht sicher bestimmt. Alte Obstbäume sind nicht nur für die Sortenvielfalt wichtig, sie bieten auch Lebensraum für seltene Insekten, Pilze und Flechten.

Erhalt der Vielfalt

Um die Vielfalt zu sichern, wurden unter anderem eine Baumschule und der Ökologisch-Botanische Garten in Bayreuth beauftragt, alte Sorten nachzuzüchten. Rund 800 Bäume sollen nachgezogen werden – ein ambitioniertes Vorhaben! Unter den 260 ausgepflanzten Bäumen befinden sich viele dieser Schätze.

Für alle, die Hinweise zu alten Obstbäumen geben möchten, stehen die Ansprechpartner Dominik Frieling und Bianca Faber bereit. Ihre Kontaktdaten sind leicht zu finden: Dominik ist erreichbar unter dominuk.frieling@reg-ofr.bayern.de oder telefonisch unter 0921 604 1982. Bianca kann unter bianca.faber@landkreis-lichtenfels.de oder 09571 18-3420 kontaktiert werden. Zögert nicht, euch zu melden, wenn ihr einen alten Baum kennt!

Also, liebe Lichtenfelser, haltet die Augen offen! Die Suche nach diesen alten Obstbäumen ist nicht nur ein schöner Anlass, um die Natur zu erkunden, sondern auch eine Chance, einen Teil unserer Kulturgeschichte zu bewahren. Und vielleicht entdeckt ihr ja einen ganz speziellen Baum, der die Geschichte eurer Kindheit in sich trägt.