Informationsnachmittag zur Gestaltung des demografischen Wandels im Landratsamt Landshut
Heute, am 20. Oktober 2026, fand im Landratsamt Landshut der Informationsnachmittag „Den demografischen Wandel vor Ort gestalten – Strategien, Fördermöglichkeiten und gute Praxisbeispiele für Kommunen“ statt. Die Veranstaltung wurde von den Koordinationsstellen „Wohnen im Alter“ sowie „Pflege und Wohnen“ in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt organisiert. Ein bunter Mix aus kommunalen Mandatsträgern, Vertretern der Senioren- und Behindertenarbeit, Wohlfahrtsverbänden und freien Trägern kam zusammen, um sich über zukunftsfähige Lösungen zu informieren.
Landrat Alfred Holzner betonte in seiner Eröffnungsrede, dass der demografische Wandel bereits jetzt in unseren Städten und Gemeinden spürbar ist. Die Herausforderungen, die damit einhergehen, sind nicht zu unterschätzen. So sind unter anderem erreichbare medizinische und soziale Angebote, barrierefreier Wohnraum, gute Nachbarschaften, Mobilität und gesellschaftliche Teilhabe entscheidend für die Lebensqualität vor Ort. Das Ziel ist klar: Menschen sollen so lange wie möglich selbstbestimmt in ihrem gewohnten Umfeld leben können, und auch Menschen mit Behinderungen sollen barrierefreie Angebote vorfinden.
Gemeinsam für eine bessere Zukunft
Kommunen spielen hierbei eine zentrale Rolle. Schließlich sind es die lokalen Bedarfe und Besonderheiten, die sichtbar werden und oft die besten Ideen hervorbringen. Nachhaltige Lösungen erfordern die engagierte Zusammenarbeit von Kommunen, Wohlfahrtsverbänden, freien Trägern, Interessenvertretungen und Ehrenamtlichen. Die Veranstaltung war nicht nur ein Ort des Wissens – sie sollte auch Orientierung geben, neue Ansätze anregen und den fachlichen Austausch fördern.
Besonders im Fokus standen drei bayerische Förderprogramme: „Selbstbestimmt Leben im Alter“ (SeLA), „Gute Pflege in Bayern“ (GutePflegeFöR) und „Pflege im sozialen Nahraum“ (PflegeSoNah). Diese Programme ermöglichen es Kommunen und Trägern, bedarfsgerechte Strukturen und konkrete Projekte zu entwickeln. Anja Preuß von der Koordinationsstelle Wohnen im Alter und Anna-Lena Königbauer von der Koordinationsstelle Pflege und Wohnen informierten die Teilnehmer über die attraktiven Fördermöglichkeiten.
Ein Beispiel für erfolgreiche praktische Umsetzung ist das Quartiersmanagement in Buch am Erlbach, das über die Förderrichtlinie SeLA unterstützt wird. Hier zeigt sich, wie Quartiersarbeit die Lebensqualität älterer Menschen im vertrauten Wohnumfeld stärken kann. Ähnliches gilt für die Arbeit der Gemeindeschwester im Landkreis Cham, die über die Förderung „Gute Pflege in Bayern“ unterstützt wird und die pflegerische Versorgung vor Ort stärkt. Solche Initiativen verdeutlichen, wie wichtig engagierte Akteure, passende Konzepte und verlässliche Zusammenarbeit sind.
Förderung und Antragsverfahren
Die Förderprogramme sind keine Schubladenideen, sondern bieten echte Chancen zur Verbesserung der Pflege im sozialen Nahraum. Projekte zur Vernetzung pflegerischer Angebote, wie etwa die Unterstützung von GutePflege-Lotsen in den Kommunen oder die Entwicklung pflegepräventiver Angebote, stehen dabei im Mittelpunkt. Kommunen haben die Möglichkeit, Anträge zu stellen, die bis spätestens zum 1. März oder 1. September eines Jahres beim Bayerischen Landesamt für Pflege eingereicht werden müssen. Und es gibt substanzielle finanzielle Unterstützung: Je nach finanzieller Situation der Kommune kann die Förderhöhe bis zu 90 % der zuwendungsfähigen Ausgaben betragen!
Natürlich sind dabei auch gewisse Vorgaben zu beachten. So dürfen beispielsweise bereits begonnene Vorhaben grundsätzlich nicht gefördert werden. Aber es gibt die Möglichkeit, im Einzelfall eine Zustimmung für einen vorzeitigen Maßnahmenbeginn zu beantragen. Die rechtlichen Grundlagen sind klar strukturiert und beinhalten unter anderem die allgemeinen Nebenbestimmungen für Zuwendungen zur Projektförderung.
Die Rolle der Kommunen stärken
Ein weiterer zentraler Punkt ist die Bedeutung von Quartierskonzepten. Diese lokalen oder interkommunalen Konzepte sollen nicht nur die Versorgung Pflegebedürftiger verbessern, sondern auch den ländlichen Raum stärken, der durch Abwanderung und den demografischen Wandel geschwächt wird. Nachbarschaftliche Vernetzung kann hier Wunder wirken und bestehende Konzepte um wichtige pflegerische Angebote ergänzen.
Seit 2020 wurden bereits mehrere Modellprojekte durchgeführt, um die Wirkung solcher Konzepte zu testen. Die Erkenntnisse daraus werden helfen, Handlungsempfehlungen zu entwickeln, die nicht nur in Landshut, sondern auch in anderen Regionen Bayerns Anwendung finden könnten. Das Potenzial ist riesig, denn die über 2.000 Pflegeheime im Freistaat bieten die Chance, sich zu Pflegekompetenzzentren weiterzuentwickeln. Eine bedarfsgerechte Versorgung kann sich aus einer Kombination von stationärer Pflege, Tagespflege und ambulanter Betreuung ergeben, wenn nur die richtigen Akteure zusammenarbeiten.
Die heutigen Gespräche und der Austausch unter den Teilnehmenden verdeutlichten einmal mehr, wie wichtig es ist, dass Kommunen beim Aufbau neuer Angebote aktiv beteiligt werden. So kann die Pflege aus einer Hand entstehen, und zwar nicht nur in Landshut, sondern auch darüber hinaus!
